Fotografieren ist nicht nur sehen

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Ein Beitrag zur Blogparade: Stille, die der Mensch ist

Stille – ich suche Stille beim Fotografieren, beim Wandern und dennoch höre ich dabei viel.

Meist zieht es mich auf Wander- und Fototouren, wenn ich abschalten möchte, wenn ich ruhig werden möchte, wenn ich Stille brauche. Ich bediene mich eines Sinnes, des Sehens, um einen anderen zu entlasten, das Hören.

Wenn ich am Ausgangspunkt meinen Rucksack schultere, mir die Kamera umbinde, vielleicht noch mal die Wanderschuhe schnüre und losgehe, wenn ich das erste Mal z.B. von einem Parkplatz aus in den Wald eintauche, dann fällt es mir auf: es ist gar nicht ruhig, es ist nicht still. Um mich herum, ja, vielleicht, aber IN mir ist es oft sehr laut. Das merke ich erst, wenn ich in die äußere Stille eintauche. Hier übe ich Achtsamkeit, nehme das zur Kenntnis und laufe einfach, setze einen Fuß vor den anderen. Oft wird es auch nach einigen Kilometern noch nicht leise in mir, Gedanken, Bewertungen, Pläne, Erinnerungen – alles meldet sich zu Wort. Ich beobachte dieses Treiben und gleichzeitig achte ich auf das Jetzt: meine Füße berühren den Boden, das Gewicht meiner Wanderschuhe ist deutlich spürbar, ich atme – das sind die wichtigsten Anker, zu denen ich immer wieder zurückkehre. Irgendwann ist es, als würde ich den Lautstärkeregler runterdrehen oder als würden die verschiedenen Sender nur noch ein Rauschen erzeugen. Ich „höre“ irgendwann nichts Einzelnes mehr, nicht mehr IN mir. Dafür beginne ich zu hören, was außen ist.

Und ich lasse meinen Blick weit werden, offen für das, was mir beim Wandern begegnet. Auch die Kamera in meiner Hand nehme ich immer bewusster wahr und nach etlichen Kilometern, nach denen das Rauschen nur noch Hintergrundrauschen ist, verschmilze ich mit dem Außen und nehme mich dennoch bewusst darin wahr; verschmilze mit der Kamera und dem Vorgang des Fotografierens; dennoch isoliere ich mich von der Welt im Außen, indem ich sie einfriere, während ich weiter laufe, weiter atme. Die Kamera zu „bedienen“ wird immer bewusster und ist nicht nur sehen: ich liebe zum Beispiel das Geräusch des hochklappenden Spiegels. Bei längerer Belichtungszeit warte ich gespannt auf das Runterklappen. Ich liebe es, wie sich die Kamera in den Händen anfühlt, ich liebe es die verschiedenen Knöpfe zu drücken, an den Rädern zu drehen. Allein das Hören und Anfassen der Kamera ist ein Genuss, ihr Gewicht in meinen Händen, ihr Hin- und Herpendeln etwas über meiner rechten Hüfte während ich gehe….

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4 Gedanken zu “Fotografieren ist nicht nur sehen

  1. Liebe Heidi, mir geht’s genauso wie dir und du hast es so schön in Worte gefasst! Das Wandern ist einfach wundervoll und ich liebe es. Ich freu mich dein Blog entdeckt zu haben, er gefällt mir wirklich sehr gut und ich werde jetzt öfter vorbeischauen! 🙂 Alles Liebe aus Wien, Fari

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