Im Leben sein

cloudysky-2Fotografie und Achtsamkeit. Seit ich intensiv fotografiere, denke ich immer mehr darüber nach, wann die Kamera mein Begleiter sein sollte und wann nicht. Gerade als ich die Kamera neu hatte, mich auch viel in die Technik „einfuchste“, hatte ich die Kamera eigentlich immer dabei. Es könnte ja sein, dass sich ein Motiv anbietet, das ich unbedingt fotografieren „muss“…

Das hat so langsam aber nicht nur meine Familie gestört sondern auch mich selbst… es war wie eine ständige „Jagd“… ich fühlte mich zunehmend als sei ich nicht mehr im Leben „drin“, sondern als jage ich Teile daraus, die ich festhalte… festhalte, um Technik zu üben, anschließend in Lightroom etwas zu entwickeln und gegebenfalls auch um etwas für einen Blogbeitrag zu haben… Wenn sich die vordatierten Blogbeiträge dem Ende zuneigten, war klar: die Kamera muss mit, ich brauch was Neues…

…ganz schön anstrengend… und eigentlich fotografiere ich doch zum Entspannen, zum Durchatmen… …

Mehr und mehr bin ich dazu übergegangen, die Kamera zu Hause zu lassen… oder sie eben mitzunehmen, aber dann weil ich fotografieren möchte, mich gezielt dem Fotografieren, Sehen, Entdecken und dem Dialog-mit-der-Welt-vor-der-Kamera widme… Wenn ich die Kamera zu Hause lasse, „fotografiere“ ich mit den Augen, mit dem Herzen… inhaliere ich das Leben…

Advertisements

Andreas

Andreas-6Foto mit Persönlichkeit. Schon länger wollte ich gerne auch mal einen (fremden) Mann fotografieren. Das ist einfach anders als eine Frau vor der Kamera zu haben: das Posen, die Perspektiven, die Interaktion. Die Möglichkeit, Ecken und Kanten herauszuarbeiten…

Von Andreas als Mensch, war ich direkt nach etwas Recherche im Internet fasziniert. Man findet viel über ihn und es fügt sich ein interssantes Bild zusammen, das die „Live-Version“ nur bestätigt;-).

Andreas ist MMA-Fighter (aktueller Schwergewichtschampion der German MMA Championship) und Diplom-Sozialpädagoge. MMA-Fighter (bei Mixed Martial Arts wird ohne Handschuhe, Schuhe und Helm in einem Käfig gekämpft und es werden Techniken sämtlicher Kampfsportarten gemischt) ist er vielen Vorurteilen ausgesetzt. Er genießt es dann, sich als studierter Mann zu „entpuppen“ und auch noch als Pädagoge. Für ihn steht das jedoch nicht in einem Widerspruch… und wenn man ihn kennenlernt, versteht man das…

Andreas ist ein bärtiger Hüne, eine Ausnahmeerscheinung – an unserem Shooting-Tag sogar noch mit Veilchen. Als Fighter hatte ich ihn mir etwas furchteinflößend vorgestellt und mich innerlich zum Shooting-Treffen auch ganz groß gemacht😂. Er kann sicherlich  auch furchteinflößend sein… muss er aber nicht;-). Er ist ein Mann der Gegensätze, eine imposante Erscheinung, jemand, der Ruhe, Gelassenheit, Herzlichkeit und ein gesundes Selbstbewusstsein ausstrahlt, jemand, der weiß, was er will, jemand, der etwas aus Überzeugung tut, für etwas brennt… eine wirkliche Persönlichkeit.

Ich bin zwar kein MMA-Fighter, kein Mann, kein Sportler, kein Sozialpädagoge, kein Hundebesitzer, kein Playstation-Zocker, kein Model, aber in ganz vielem von dem, was Andreas verkörpert, sehe ich wieder auch mich selbst … so wie immer, wenn ich mit Herz fotografiere;-)… …

Lichtgeschenk

WeddingFotografie und Achtsamkeit. Das erste Mal habe ich recht „herzlos“ fotografiert. Bei einem Workshop, mit dem ich mich auf meine erste anstehende Hochzeit vorbereiten wollte, ging das Fotografieren des bestellten Paares eher sehr sachlich, nüchtern und unemotional vonstatten. Das bin ich sonst nicht gewohnt und ich habe einmal mehr gemerkt, wie wichtig mir die Menschen vor meiner Kamera sind, wie wertvoll und wie gerne ich ihnen meine Zeit und volle Aufmerksamkeit schenke… Hier war das Fotografieren logischerweise „Fließbandarbeit“ und jeder Teilnehmer hatte nur wenig Zeit… aber das Licht war einfach ein Geschenk😊… Wedding-2

Geheimnisvoll

FensterFotoprojekt. „Geheimnisvoll“ sollte es diesmal bei den Magischen Mottos von paleica werden. Als ich abends wieder einmal an „meinem“ Fenster stand, um Nebel, Wald, Weite und Herbst zu fotografieren, lag mir das Foto zu diesem Thema wortwörtlich im Rücken. Als ich mich im abendlichen Dämmerlicht umdrehte und den Blick hinter mich warf, war mein Blick durch die Kamera diesmal viel gebannter von der Szeniere, die mir dort in die andere Blickrichtung ins Auge fiel als von dem Ausblick nach draußen…

Industrial

Stöffelpark-6Fotoprojekt. Wenn Museen so sind wie der Stöffelpark, dann ist das weit entfernt von langweilig. Schon länger wollte ich hier hin, um mir ein Stück Lokalkolorit anzusehen und natürlich um zu fotografieren.

Ich war beeindruckt von diesem verwaisten und wieder zu neuem Leben erweckten Stück Industriekultur. Bei jedem Schritt lernte ich neu das Staunen… und es gab mal wieder ein paar Gelegenheiten, um auch mein Weitwinkel „artgerecht“ einzusetzen;-)…

Es wirkte alles gleichzeitig total futuristisch und irgendwie auch historisch… ich fühlte mich ein bisschen wie in den Film „Mad Max“ reingesogen und hätte mich nicht gewundert, wenn jeden Augenblick ein paar Menschen in Steam Punk Kleidung um die Ecke gekommen wären… …

Besonders beeindruckend fand ich auch die Werkstatthalle, in der ein großer Teil an Informationen des Museums interaktiv aufbereitet war… wahnsinnig ästhetisch und kunstvoll gestaltet… und vor allem für alle Sinne: beim Betreten der Werkshalle schlug einem der Geruch von Öl und Eisen entgegen, rau und pur; aus Lautsprecheranlagen kamen Anweisungen eines Werkstattleiters und das metallische Hämmern und Scheppern der Arbeiter; etliche interaktiven Informationselemente leuchteten in angenehmen Farben und bestachen die Augen; Metall, Stein, Plastik, Holz, Glas – alles konnte man anfassen…

Es war einmal…

Kommern-5…ein Besuch in vergangenen Zeiten, im Freilichtmuseum Kommern. Man kann das Freilichtmuseum auf so viele verschiedene Arten erleben… ich habe mich gegen die erwachsen-lesende und sich-informierende Art entschieden und bin stattdessen mit offenen Sinnen durch das Museum spaziert.

Vor allen Dingen bin ich riechend durch die verschiedenen Dörfer und Häuser gegangen und oft auch tastend. Einen tiefen Atemzug habe ich beim Durchschreiten einer jeden Tür genommen, wenn ich so ein altes Gebäude betreten habe. Erdiger, rauchiger Geruch der Eichenbalken hat mich empfangen und wohlig eingehüllt. Meine Hände immer wieder über altes Holz gleiten zu lassen oder auf die lehmverputzten Wände zu legen, war ein gutes, erdverbundenes Gefühl.

Und mit der Kamera in der Hand gehe ich natürlich sehend durch so ein Museum. An diesem sonnengesegneten Herbsttag haben mich besonders die Lichtspiele in den alten Häusern fasziniert. Nur kleine Fenster lassen Licht in die Stuben… das hat dann aber eine Intensität und Wärme, die wir mit großen Fenstern nur selten haben…

Get in touch

Griffe-2Fotografie und Achtsamkeit. Ein regnerischer Nachmittag, alles ruhig, alles auf Gemütlichkeit eingestellt, unsere Katze flutet den Raum mit Ruhe… mein Blick schweift durch das Wohnzimmer und landet auf dem Griff an einer Truhe… auf dem Griff eines Körbchens… auf dem Fenstergriff… …

Das macht Lust, die Kamera zur Hand zu nehmen…

…und überall im Haus nach Griffen zu suchen…

Lust, Schönheit und Besonderheit im Alltag zu entdecken…

 

Mann und Frau

Mary u Max-10Foto mit Persönlichkeit. Verliebtes-Pärchen-Fotos sind zwar schön und gut, aber man merkte, irgendwann hatte Max einfach die Nase voll von Romantik und „Schmusekurs“😂… Es hat total Spaß gemacht zu sehen, wie Mary und Max bei dem Pärchenshooting aber auch Lust hatten, etwas mehr zu „spielen“…

Mary und Max sind ein wirklich nettes Pärchen, das seine Hochzeit im nächsten Jahr plant. Ich wünsche den beiden von Herzen viel Glück und bedanke mich, dass ich hier die Fotos von unserem Shooting-Nachmittag zeigen darf!

Black

TeresaFoto mit Persönlichtkeit. Das zweite Shooting mit Teresa ließ nicht lange auf sich warten;-)… Diesmal hatten wir sogar die Gelegenheit ein Fotostudio (mit) zu benutzen. Eigentlich ist das nicht mein Terrain, aber ich fand es ungeahnterweise doch erstaunlich spannend!

Meine Idee war einfach: ich brauchte lediglich einen schwarzen Holzstuhl, ich bat Teresa, schwarze Kleidung zu tragen und dann wollte ich mal sehen, was wir mit dem Stuhl so machen… Angefangen haben wir ganz einfach mit Teresa so wie sie „immer“ ist… schnell hatte sie aber Lust, wenigstens die Haare mal ein bisschen anders zu machen und vielleicht etwas Wimperntusche zu benutzen… aus der Idee, mal ein bisschen anders auszusehen, wurde schnell ein einfaches, aber effektives „Umstyling“…

Ich wollte mal eine andere Seite von Teresa sehen… ich wollte sie „raw“… es war super-spannend zu sehen, wie schnell sie in diese „Rolle“ gefunden hat, als sie etwas anders geschminkt war als üblich und die Haare anders zurecht gemacht waren… Es war wie eine Mauer, die abbröckelte…

Es war nicht, als würde sie eine Rolle spielen, sondern als sei es plötzlich möglich, eine Seite von sich zu zeigen, die sie einfach AUCH hat… die richtige Musikuntermalung im Fotostudio hat dann noch ihr übriges getan;-)…

An diesem (langen) Abend habe ich einmal mehr wieder gemerkt, warum ich die Fotografie von Menschen liebe: ich mag es, Menschen dabei zu beobachten, wie sie sich entfalten, wie sie sich entdecken, wie sie mehr von sich kennenlernen, wie sie den Mut haben, sich zu zeigen… Es ist einfach anders, nur über sich nachzudenken, als sich wirklich zu fühlen… Es ist toll, ein Teil davon sein zu dürfen, wenn Menschen auf Entdeckungsreise zu sich selbst gehen…

Mein ganzer Respekt geht an Teresa… ich empfinde es als unglaublich mutig, was sie da geleistet hat! 😘